Berliner Hilfswerk Zahnmedizin: Konzentration und Qualität für Projekte in bürgerlicher Nachbarschaft

Das Logo des Berliner Hilfswerks Zahnmedizin.
Das Dis-Mobil bei seinem ersten Einsatz in der Türkei in den Lagern der Erdbebenopfer.
Wurde für ihr ehrenamtliches Engagement vielfach ausgezeichnet: Zahnärztin Kirsten Falk
Half bei der Einrichtung der mobilen Einheit im Fix-Punkt-Bus: Dr. Christian Bolstorff, damaliger Präsident der ZÄK Berlin und Initiatordes Berliner Hilfswerks Zahnmedizin hier mit Marion Bracht.
Dr. Jürgen Seligmann (links, Berliner Hilfswerk Zahnmedizin) und Marion Bracht (Mitte) erhielten von Acteon für ihren Einsatz bei den Drogenabhängigen eine stabile Koffereinheit.
Besonders großes Engagement legt das Hilfswerk-Team auf die Förderung der Prophylaxe für Erwachsene mit geistigen Behinderungen.
Zusammen mit der LAG Berlin unterstützte das Berliner Hilfswerk Zahnmedizin auch die Special Olympics 2006 in Berlin und informierten über Zahngesundheit.
Auch Dank Ihrer wissenschaftlichen Begleitung des Prophylaxe-Projektes in Heimen wurde die Projektfinanzierung durch den Senat gesichert: Initiatorin Dr. Imke Kaschke (links, Charité) mit Kammerpräsident Dr. Wolfgang Schmiedel.

Wie so oft stand vor der Gründungsinitiative ein aktueller Anlass: Ende des Jahres 1999 wurde die Türkei von einer Erdbebenkatastrophe heimgesucht. In den Lagern, in die sich die obdachlosen Familien flüchteten, herrschten schier unerträgliche hygienische Zustände. Und auch wenn es existenziellere Probleme gab: Solche Zeiten verhindern nicht, dass Zähne an schmerzhafter Karies leiden, ausfallen und wenigstens notdürftig ersetzt werden müssen, und dass Infektionen die Mundgesundheit belasten und zu Folgeschäden führen. Der Fachbereich Zahnheilkunde der Universität in Marmara wandte sich an die Zahnärztekammer Berlin, in welcher Form auch immer die Hilfsangebote in den Lagern der Erdbebenopfer zu unterstützen. Die Kammer organisierte nach kurzer Zeit mit Hilfe von Spenden einen ausrangierten VW-Bus mit einer mobilen Einheit, gab noch eine Menge Verbrauchsmaterial und Mundhygienehilfsmittel dazu – und schickte den Bus mit Hilfe eines engagierten türkischen Zahnarztes quer durch Europa in das Erdbebengebiet. Er war dort überaus willkommen und ständig umlagert. Von der Arbeit vor Ort und der hervorragenden Zusammenarbeit mit den Teams der Marmara-Universität, der der Bus geschenkt wurde, überzeugten sich der damalige Kammerpräsident Dr. Christian Bolstorff und Vizepräsident Dr. Jürgen Gromball bei einem Besuch in einem der Lager. Sie kehrten auch mit dem Versprechen zurück, für viele Zahnbürsten und Zahnpasta zu sorgen. Das Material war leichter zusammengestellt als schließlich zu transferieren, die Arbeit für ein Hilfswerk trainiert auch im Umgang mit Gesetzen, Verordnungen und Restriktionen. Dass die 10.000 Zahnbürsten ihre Empfänger tatsächlich erreichten, kann auch als Beleg für den festen Willen zu helfen gebucht werden, praktische Hilfe ist oft nicht so einfach wie das gegebene Wort. Der Dentalbus, das „Dis-Mobil“, ist übrigens noch immer im Einsatz, derzeit in sozial schwachen Regionen der Türkei. Die Marmara - Universität hält regelmäßigen Kontakt zum Berliner Hilfswerk Zahnmedizin und berichtet über die Erfolge des Einsatzes. Die Tatsache, keine Spendenquittungen ausstellen zu dürfen, erschwerte unsere gute Absicht enorm. So war es nur folgerichtig, eine gemeinnützigen Verein zu gründen, dem es erlaubt ist, diese Bescheinigungen auszustellen.

Schon bald gab es erste Kontakte zu einem weiteren förderungswürdigen Projekt, der „MUT“- Obdachlosenpraxis, so dass die Zahnärztekammer Berlin, die als Körperschaft des Öffentlichen Rechts hinsichtlich Hilfsmaßnahmen beschränkte Möglichkeiten hatte, die Gründung einer unabhängigen Organisation beförderte. Mittlerweile ist sie ihr Schirmherr. „Berliner Hilfswerk Zahnmedizin“ nannte sich im Februar 2001 der gemeinnützige Verein, der bewusst „Zahnmedizin“ und nicht „Zahnärzte“ im Namen trägt – schließlich soll hier die Dentalfamilie gemeinsam aktiv werden und nicht nur die Vertreter des zahnärztlichen Berufsstandes. Wo nicht nur Geld-, sondern auch sinnvolle Sachspenden hilfreich sind, zahlt sich eine enge Verbindung zu Dentalunternehmen als Teil der Dentalfamilie aus, und wie sich bei späteren Projekten zeigte, auch die Zusammenarbeit mit der Zahntechnik.

Der Vorstand des jungen Hilfswerks in Berlin wollte bewusst nicht nur in der Ferne wie in der Türkei aktiv werden, sondern informierte sich über nachbarschaftliche Bereiche in Berlin, über Gruppen von Mitbürgern, die zahnmedizinische Unterstützung brauchten, weil sie selbst keinen Zugang dazu finden oder in normale Praxen nicht integriert werden können. Hier zeigte sich sehr verschiedener Bedarf. Da die Spendenfreudigkeit von Sponsoren erfahrungsgemäß ihre Grenzen hat, und um qualitativ wirksam helfen zu können, wurde die Quantität der ausgewählten Projekte bewusst begrenzt.

Die drei Kernprojekte des Berliner Hilfswerks Zahnmedizin in der Startphase:

Obdachlosenpraxen


Aufgrund von Informationen und Kontakten ergab sich die Zusammenarbeit mit einer Einrichtung, die Obdachlose ärztlich versorgte und sich um Kleidung und Nahrungsmitteln kümmerte – hier gab es den Versuch, auch zahnärztliche Hilfe zu bieten. Das Berliner Hilfswerk nahm sich des Themas an und unterstützte von der Gründung bis heute die erste und lange Zeit auch einzige Obdachlosen-Zahnarztpraxis in Europa. Sie arbeitet an inzwischen zwei Standorten, in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Friedrichshain. Hier finden Sie die genauen Adressen und Öffnungszeiten.

 

Die Arbeit des zumeist ehrenamtlichen zahnärztlichen Teams wird gefördert mit Technik und Verbrauchsgütern sowie persönlicher Mitarbeit – aber auch durch politische Unterstützung: Denn immer wieder waren und sind die vom Bezirk bereitgestellten Arbeitsplätze für das Praxispersonal gefährdet, wird die Unterstützung gekürzt, werden Förder-Mittel anders verteilt oder gefährdet Zwist unter Fraktionen und Bezirksämtern den weiteren Bestand. Die Teams an beiden Standorten leisten nach wie vor herausragende Arbeit, die Anerkennung zeigt sich in vielen hochrangigen Auszeichnungen bis hin zum Bundesverdienstkreuz an eine der ehrenamtlich Aktiven der ersten Stunde, Zahnärztin Kirsten Falk. Ihr ist es zu verdanken, dass die Idee der Zahnarztpraxis für Obdachlose in die Tat umgesetzt wurde. Mit intensiver Hilfe der Zahnärztekammer Berlin entstanden beide Praxen: einfach, aber vollständig ausgestattet.

Die zahnärztliche Versorgung bringt den Obdachlosen nicht nur Schmerz- und Infektionsfreiheit, sondern einfacher Zahnersatz, gespendet von einem Dentallabor, ermöglicht vielen Menschen erstmals seit Jahren wieder halbwegs normales Essen und Kauen und verbessert das Aussehen so, dass manche bereits wieder ansatzweise in die Gesellschaft integriert werden konnten, weil sie wieder Mut dazu fassten.

 

Die ehemaligen Einrichtungen der MUT-Obdachlosenpraxen gehören nunmehr zwei unterschiedlichen Trägern an. Der Träger der Einrichtung in Berlin-Lichtenberg in der Weitlingstr. 11 ist seit dem 01.01.2013 der "Humanistische Verband Deutschlands - Landesverband Berlin-Brandenburg", seit dem 01.09.2013 wurde die Trägerschaft für die Praxis in Berlin-Friedrichshain am Stralauer Platz 32 von der "GEBEWO pro gGmbH" übernommen. Die Schirmherrschaft über diese Einrichtung hat der Bischof von Berlin/Brandenburg/Oberlausitz, Dr. Droege, übernommen. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie unter: http://www.gebewo-pro.de/arztpraxis

 

Fixpunkt

Eine engagierte Ärztin und Zahnärztin wandte sich an die Zahnärztekammer mit der Bitte, ihre in einem Kleinbus angebotene zahnärztliche Hilfe für Drogenabhängige mit Materialen zu unterstützen. Für die eine solche Hilfe anbietende Organisation Fixpunkt e.V. hat das Berliner Hilfswerk Zahnmedizin nicht nur Verbrauchsgüter, sondern auch einen Behandlungskoffer angeschafft, dieser wurde später nach Einsatzschäden durch eine von einem großen Dentalunternehmen gestiftete erstklassige mobile Koffereinheit ersetzt.

Seit kurzer Zeit ist der Dentalbus für die Drogenabhängigen nicht mehr unterwegs, denn es wurden neue Versorgungsstrukturen entwickelt. Die Zahnmedizin findet nun am festen Standort von „Fixpunkt“, in der Gerhard Hauptmann Schule, statt und lädt auch zu Prophylaxe ein. Anfangs wurde das Angebot von der Zielgruppe skeptisch betrachtet, nach kurzer Zeit aber höchst dankbar aufgenommen. Ein Nebeneffekt ist die Reduzierung von Beschaffungskriminalität, wie es sie in Einzelfällen gab, um sich irgendwie zahnärztliche Versorgung leisten zu können. Das zahnärztliche Angebot hat einen festen Platz im Umfeld seiner Klientel. Das Hilfswerk unterstützt jedes Jahr die Praxis finanziell und mit der Beschaffung von Material und Geräten.

 

Patienten mit Behinderungen bzw. geriatrischen Problemen

Schon früh engagierte sich das Berliner Hilfswerk Zahnmedizin auch für die Optimierung der zahnärztlichen Versorgung von Patienten mit Behinderungen und bei geriatrischen Patienten.

Zuerst einmal wurde überhaupt eine Übersicht erstellt, welche Praxen in Berlin dieser Patientengruppe entsprechende Angebote haben und zur Verfügung stellen – von rollstuhlgerechtem Zugang über Intubationsnarkosen bis hin zu Hausbesuchen. Der entstandene „Zahnärztliche Praxisführer“ war Vorbild für viele ähnliche Übersichten bundesweit. 2003 wurde der Praxisführer aktualisiert, er gibt – nach Bezirken aufgeteilt - Informationen über behindertengerechte Praxen und Behandlungsmöglichkeiten, auch für geriatrische Patienten.

Ein bundesweit einmaliges Modellprojekt wurde initiiert: „Zahnmedizinische Gruppenprophylaxe für erwachsene Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Berliner Wohneinrichtungen“. Das Projekt wurde dank der Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung, was als hohe Anerkennung gedacht war und auch so verstanden wurde, zunächst weitergeführt. Nach Auslaufen der Senatsgelder bemühte sich der Vorstand, neue finanzielle Unterstützung zu finden, entschied sich aber 2014 das Projekt mit eigenen Mitteln weiterzuführen.

 

Aktueller Status und Ausblick

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Berliner Hilfswerks Zahnmedizin am 29. März 2007 trat wie geplant der bisherige Vorstand komplett zurück und machte Platz für den neuen, der, wie von den Mitgliedern empfohlen, in Personalunion durch den Präsidenten der Zahnärztekammer geführt werden soll. „Wer an der Spitze der Kammer steht, die ja Schirmherrin des Hilfswerks ist, hat einfach mehr Einfluss und Möglichkeiten, die Arbeit des Hilfswerkes vielfältig zu unterstützen“, sagte Dr. Christian Bolstorff, Initiator des „Berliner Hilfswerks Zahnmedizin“ und Vorsitzender seit der Gründung vor rund 6 Jahren. Er habe selbst viele Jahre erfahren, wie hilfreich diese Konstellation beim Einwerben von Spenden ist. Dr. Bolstorff hatte bereits angekündigt, sich aus dem aktiven Vereinsgeschäft etwas zurückziehen zu wollen und begrüßte erfreut die Bereitschaft von Kammerpräsident Dr. Wolfgang Schmiedel, nunmehr auch das Hilfswerk zu leiten. Das Hilfswerk habe einen Symbolcharakter für die Zahnärzteschaft in Berlin, betonte Dr. Schmiedel, die Arbeit werde auch von der Politik als dankenswertes Engagement der Berliner Zahnärzte beobachtet. Das Berliner Hilfswerk Zahnmedizin fühlt sich auch in Zukunft – das machte Dr. Schmiedel als neuer Vorsitzender deutlich – den drei Hauptprojekten verpflichtet, die mit finanzieller Hilfe und mit erheblichen Sachspenden unterstützt werden.


Um noch mehr nachhaltige Hilfe für die Kernprojekte bieten zu können, will das Berliner Hilfswerk Zahnmedizin die Anzahl der Mitglieder (bisher rund 80) deutlich erhöhen: „Es ist ein Hilfswerk ‚Zahnmedizin’ – wir freuen uns daher auch über Mitglieder aus dem Bereich Zahntechnik, von Praxismitarbeiterinnen und von Unternehmen, bei weitem nicht nur aus Berlin, und wir machen es mit einem niedrigen Jahresbeitrag von rund 40 Euro auch nicht schwer, die Arbeit zu unterstützen. Auch über Spenden freuen wir uns, für die der gemeinnützige Verein steuerrelevante Quittungen ausstellen kann. Die positive Wirkung der Arbeit des Vereins kommt den Randgruppen in unserer Gesellschaft direkt, den Mitgliedern unseres Vereins indirekt zugute: Unser Engagement bringt jedem von uns, der das Hilfswerk als Mitglied unterstützt, nicht zuletzt Anerkennung in der Öffentlichkeit und auch bei der Politik ein. Wir werden uns etwas einfallen lassen, das Engagement unserer einzelnen Mitglieder deutlicher als bisher darzustellen, denn ihre Mitwirkung hat unseren Dank verdient, und dieser könnte vielleicht etwas ersichtlicher ausfallen als bisher. Wir stehen gemeinsam als ein Zeichen für unser gesellschaftliches Engagement und unser soziales Gewissen. Jeder bringt das ein, was er zu bieten hat.“

 

Im Jahr 2011 bat Dr. Schmiedel den ehemaligen Vorsitzenden um Unterstützung als Stellvertreter und 2013 um Entlastung, so dass Dr. Christian Bolstorff seitdem wieder den Vorsitz innehat und mit Dr. Schmiedel und Dr. Nachtweh den Vorstand bildet. Die Mitgliederzahl konnte auf 150 gesteigert werden, was aber angesichts der großen Zahl der Berliner Zahnärzteschaft immer noch zu wenig ist. Eine Änderung der Satzung erlaubt nun über die genannten Projekte hinaus, dass sich der Verein um weiteres soziales zahnärztliches Engagement in Berlin und Brandenburg kümmern kann.

 

Special Olympics:

Die Sportspiele für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung werden stets von einem Gesundheitsprogramm begleitet, so auch vom Mundgesundheitsprogramm „Special Smiles“. Hier hilft unser Hilfswerk bei regionalen Ereignissen und hat u.a. einen mobilen Putzbrunnen finanziert.

 

Geschichtliche Entwicklung und Trägerschaft Ihres Projekts/Vereins:

Gegründet wurde der gemeinnützige Verein Berliner Hilfswerk Zahnmedizin am 20. Februar 2001 als unabhängige Initiative einiger Mitglieder des damaligen Vorstandes der Zahnärztekammer Berlin und des Arbeitskreises Behindertenbehandlung.
Er ist nach wie vor unabhängig – steht aber unter der Schirmherrschaft der Zahnärztekammer Berlin, die auch die gelegentlichen Verwaltungsaufgaben übernimmt. Spendengelder und auch die Mitgliedsbeiträge gehen ohne Abzüge direkt an die Projekte. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigung und bezieht auch sonst keine Gelder aus den Mitteln des Hilfswerkes, so dass von jedem Euro 100% in die Projekte fließen!.
Im Zentrum des Engagements stehen Einrichtungen in Berlin, die für hilfsbedürftige Menschen Anlaufstelle sind bzw. hilfsbedürftige Menschen betreuen.

Bankverbindung Spendenkonto:
Bank: Deutsche Apotheker- und Ärztebank
BIC: DAAEDEDDXXX
IBAN: DE98 3006 0601 0105 2111 90 
Das Berliner Hilfswerk Zahnmedizin erteilt auf Wunsch Spendenbescheinigungen.

Adresse:
Berliner Hilfswerk Zahnmedizin e. V.
c/o Zahnärztekammer Berlin, z. Hd. Frau Gensler
Stallstr. 1, 10585 Berlin
Tel. (030) 34 808 0
Fax: (030) 34 808 240