Leitartikel MBZ

Dipl.-Stom. Karsten Geist, Vizepräsident der Zahnärztekammer Berlin

MBZ 08/09-2008

 

Was zählt für Sie?

 

Sinkende Patientenzahlen, rückläufige Umsätze, gereizte Patienten, vermeintlich demotiviertes Personal und das Gefühl von den eigenen Kollegen verlassen zu sein.

Die Themen die Sie, verehrte Kollegin, und Sie, geehrter Kollege in Ihrer Praxis bewegen, sind häufig nicht dieselben, mit denen sich scheinbar die so genannten Funktionäre herumschlagen. Doch ist das wirklich so?

 

Für junge Kollegen und vor allem Kolleginnen ist die eigene Praxis nicht mehr das Ziel Nr. 1. Viele spielen mit dem Gedanken, ihren geliebten Beruf an den Nagel zu hängen oder lieber ins Ausland zu gehen, ohne das belastende Drumherum. Der Vorteil, alles selbst entscheiden zu können, ist der Last des vollen Risikos gewichen. Die täglichen Probleme einer ganz normalen Zahnarztpraxis – wenn es die überhaupt gibt – sind zum Teil massiv gestiegen.

 

Der ökonomische Grundstock einer Zahnarztpraxis ist heute ein zartes Pflänzchen und kein Baum. Der Ertrag einer jungen Zahnarztpraxis, was die Zeit vom 5. bis zum 8. Jahr nach Gründung bedeutet, lag im Jahre 2005 durchschnittlich bei etwa 98.000 € , das entspricht ca. 76% des durchschnittlichen Ertrages aller Praxen zusammen. Durch politische Zwänge und deutsche Regelungswut können wir Zahnärzte in unserer eigentlich leistungsfähigsten Zeit unseren Lebensstandard nicht mehr sichern und auch nicht die Zukunft unserer Praxen. Viele arbeiten am Limit und gelangen dennoch auf keinen grünen Zweig. Ähnlich geht es den Ärzten. Dieser Tage schließen in Berlin ca. ein Drittel der Arztpraxen ihre Türen. Sie protestieren damit gegen die Gesundheitspolitik und die Umstände unter denen sie praktizieren.

 

Und die Funktionäre, ein paar Kollegen, spielen Politik, profilieren sich auf unsere Kosten und „verbraten“ unser Geld??

 

Für das Drumherum, die Umstände unter denen wir arbeiten und alles, was uns unseren schönen Beruf hier in Deutschland verleidet, ist die Politik verantwortlich, zum Teil die Kassen, aber nicht die Kammer!

 

Sie versucht, zum einen die Umstände der Berufsausübung nach den Vorgaben der Politik so erträglich wie möglich zu gestalten. Und zum anderen versucht sie, die politischen Entscheidungen durch Mitsprache oder wenigstens Gehörfindung im Sinne der Kollegen zu beeinflussen.

 

Doch die Politik hat längst erkannt, dass mit „Gesundheit“ Wahlen gewonnen, aber auch verloren werden können. Dass die Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens auf die Dauer nicht gesichert ist, wissen sie auch. Nur scheut man sich, den Umbruch einzuläuten, aus Angst vor der Wählerquittung. Verständnis für die Sorgen und Nöte der freiberuflichen Praxen kann man leider nicht erwarten.

 

Darum ist es ja so wichtig, dass wir an den Schaltstellen der Selbstverwaltung Kollegen haben, die politische Ziele verfolgen. Solche, die mit einem politischen Hintergrund antreten, die ihre Eigeninteressen zurückstellen, die bereit sind, sich persönlich anfeinden zu lassen und eher der Gattung „praktizierende Zahnärzte“ angehören, als der Gattung „jenseits von Gut und Böse“. Wir brauchen gut organisierte Verbände, die in der Lage sind, getrennt zu marschieren, aber vereint zu schlagen.

 

Was wir aber vor allem brauchen, ist eine hohe Beteiligung zur Kammerwahl im November. Beobachten Sie nur die verschiedenen Verbände Berlins. Sie werden sich schnell davon überzeugen können, welche in die Zukunft schauen und sie für uns alle gestalten wollen, wer Ihnen praktische Hilfe anbietet, oder wer immer nur auf die Vergangenheit verweist und nach den Fehlern der anderen sucht. Stärken Sie bitte Ihre Favoriten mit Ihrer Stimme.

 

Karsten Geist