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Verleihung der Ewald-Harndt-Medaille 2002

Medaille an das Ehepaar Helga und Dr. Klaus Winter

Medaille an Prof. Wilhelm Hankel

Ewald Harndt-Medaille der Zahnärztekammer Berlin an das Ehepaar Helga und Dr. Klaus Winter und Prof. Wilhelm Hankel

 

Berliner Zahnärztekammer ehrt politisches Denken und soziales Engagement
Im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Philipp-Pfaff-Institutes am neuen Standort im Haus der Zahnklinik der Freien Universität verlieh die Zahnärztekammer Berlin zum nunmehr zweiten Male ihre jährliche Auszeichnung für besondere Verdienste um den Berufstand. Geehrt wurden am 2. November das Ehepaar Helga und Dr. Klaus Winter für ihren großen Einsatz für das „Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete“ und Prof. Wilhelm Hankel für seine kritischen politischen An- und Einsichten in das bestehende Gesundheitssystem und Reformvorschläge, die Mut für eine bessere Zukunft machten.

Zum zweiten Mal Ewald Harndt-Medaille verliehen:
In der Begründung für die Verleihung der Ewald Harndt-Medaille an das Ehepaar Helga und Dr. Klaus Winter machte Kammerpräsident Dr. Christian Bolstorff deutlich, dass eine solche Leistung nur auf der Überzeugung wachsen könne, „dass Hilfe und Nächstenliebe das einzige Rezept in dieser kaputten und komplexen Welt sind, das dem Einzelnen bleibt, um sich nützlich einzubringen“. Der Preis gehe ganz bewusst anders als manche andere zuvor an das Ehepaar, denn ohne die tatkräftige Mitarbeiter seiner Frau sei die auch in verwaltungstechnischer Hinsicht enorme Arbeit des Hilfswerks nicht zu meistern.

Dr. Winter betonte in seiner Dankesrede, es sei für ihn und seine Frau eine große Ehre, mit dem wichtigen Repräsentanten zahnmedizinischer Forschung und Lehre, Prof. Ewald Harndt, in Verbindung gebracht zu werden. Er berichtete über Geschichte und Aktuelles aus der Arbeit des Hilfswerks und seine prägendsten Eindrücke. „Unsere Aufgabe ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe“, sagte Dr. Winter. Er danke vor allem seiner Frau, die er als „Sonderbeauftragte für Altgoldsendungen“ bezeichnete und die in mühevoller Arbeit die Mittel für die Projekte gewinne. Es sei wahr, dass die Betreuung des Hilfswerks Zeit und Aufwand verursache, aber „Helfen ist auch Berufung – Arbeit kann dann nicht zur Last werden.“ Nach wie vor sei der schönste Lohn, wenn in Entwicklungsländern eine Aufbruchstimmung auch bei den Ärmsten entstehe, weil fremde Hilfe käme – dies führe oft dazu, dass auch die Motivation, sich für die eigenen Belange einzusetzen, bei der Bevölkerung wieder wachse. Er sei, so Dr. Winter, dankbar für die Medaille – sie gelte auch denen, die die Arbeit des Hilfswerks in der Vergangen gefördert hätten und auch in Zukunft weiter unterstützten.

Zum zweiten Mal Ewald Harndt-Medaille verliehen:
Dr. Jürgen Gromball, Vizepräsident der Berliner Zahnärztekammer, betonte in seiner Begründung für die Verleihung der Ewald Harnbdt-Medaille an Prof. Hankel, dass das wichtigste Gut des Menschen, die Gesundheit, von Staatsseite verwaltet werde: den Menschen werde ihre Eigenverantwortung weggenommen. Das aus der Bismarck-Zeit stammende System unseres Gesundheitswesens sei – da zitierte er den Preisträger – „morsch und brüchig wie ein verfaulter Zahn“. Prof. Hankel habe, nicht zuletzt nach Beobachtung des Alltags seiner Gattin, einer Zahnärztin, einerseits erfahren, wie das System sich auswirke – aber auch Lösungen gefunden, die als mutig und vorbildlich zu betrachten seien.
Prof. Hankel griff dies auf in seiner Dankesrede auf und berichtete, wie sehr ihn die schier unüberwindlichen bürokratischen und administrativen Hindernisse beeindruckt hätten, mit denen der Staat die Arbeit im Gesundheitswesen, aber auch die Eigeninitiative der Menschen vereinnahmt habe. Ärzte und Zahnärzte seien eigentlich „Zwitter“ in unserem System – genauer: „nicht zuende gedachte Unternehmer“, dessen Erträge der Staat vorschreibe. Er habe den Eindruck, „der Staat hält seine Existenz für wichtiger als die seiner engagierten Bürger!“ Das ehemals gute System werde mehr zu mehr zu einem Alptraum. Nach Moral und auch Gesetzen sei es in unserem Land eigentlich verboten, Spezialgeld in Umlauf zu bringen – genau dies tue aber das Gesundheitssystem mit der Chip-Karte. Mehr als bei allen anderen Berufen habe sich das Entgelt für die erbrachte Leistung bei den Ärzten und Zahnärzten reduziert. „Jahr für Jahr wird von den Ärzten mehr verlangt und weniger bezahlt“, so Prof. Hankel. Der Staat verhindere modernen Fortschritt und begehe Betrug an den Patienten. „Wir brauchen kein gesetzliches Krankenversicherungssystem, sondern etwas Sozialeres, nämlich die allgemeine Versicherungspflicht für alle gegen Krankheit bei einer Kasse der Wahl, mit Tarifen der Wahl und einer Mindestversicherung – so entkoppeln wir Krankenkassenbeiträge vom Arbeitsaufkommen.“ Er vermisse den Aufstand der Ärzteschaft, seit über 20 Jahren sei die katastrophale Entwicklung abzusehen. Aus der Naturalhilfe für Arme, einst für einige wenige Bedürfte geschaffen, habe sich eine Vollversorgung für 90 % der Bundesbürger entwickelt – dies sei eine Fehlentwicklung, die es zu korrigieren gelte. Bei einer Einführung einer Versicherungspflicht gäbe es kein Finanzierungsproblem mehr, keinen Krankenschein und auch kein Sonderentgelt. Der Gesundheitsmarkt könnte, wie in vielen anderen Ländern, der größte und dynamischste Dienstleistungsmarkt sein – das werde in Deutschland aber verhindert. Prof. Hankel schloss mit dem Aufruf: „So geht’s nicht weiter! Sie müssen das noch mehr einflussreichen Menschen klar machen!“

 
Ewald-Harndt-Medaille 2002