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Demnächst auch in Berlin? McZahn-Interesse lässt deutlich nach

Billiganbieter sind ein großes Thema in den Medien

Eine Information der Zahnärztekammer Berlin vom 8. November 2006

Vermutlich als eine der vielen Eintagsfliegen in der Presselandschaft wird auch das Thema „McZahn“, der Billig-Filialist mit Zahnersatz aus China enden – so die Einschätzung der Zahnärztekammer Berlin. Das Interesse der Patienten ist, das zeigen die Gespräche in der kostenlosen Patientenberatungsstelle der Berliner Zahnärzte, offensichtlich bereits nüchterner Einschätzung gewichen. „Uns wundert das nicht“, sagt dazu Dr. Wolfgang Schmiedel, „und hier muss auch ein Dank an die Redaktionen der Tagespresse gehen, die nach der ersten Überraschung zumeist sehr sachorientiert berichtet haben. Letztlich weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie das System funktioniert: Wo man mit Schnäppchen gelockt wird, das erleben wir ja überall, lauern die wirklich reizvollen Dinge zu Preisen wie überall im großen Regal neben dem kleinen mit dem „alles umsonst“-Angebot. Die Erfahrung von Brillenketten ist da eine klassische Wegmarke: Die Kunden kommen und prüfen das zuzahlungsfreie Modell und gehen mehrheitlich mit einem teuren. So ist das heute schon auch in den Zahnarztpraxen: Wir Zahnärzte informieren über preiswerte Lösungen und die Zuschüsse durch die Festzuschuss-Regelung, und dann wählen unsere Patienten letztlich doch die Versorgung, die sie wollen, und das ist meist eine höherwertige. ‚Zuzahlungsfrei’ gibt es Zahnersatz nach Einführung der Festzuschüsse im vergangenen Jahr auch in beim Hauszahnarzt – nach bestimmten Voraussetzungen, wie sie auch bei vielen Filialisten gelten, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Eine hochwertigere Versorgung ist bei Zahnersatzketten ebenso wenig kostenfrei wie bei jedem Zahnarzt. Unsere Patienten wissen das, und die anderen haben das inzwischen gelernt.“ Vielfach werde Angst vor den Kosten auch als Verkaufshilfe geschürt: Im Internet werbe eine Private Krankenversicherung mit dem Text ‚Begründet ist indes die Sorge vor dem großen Loch im Portemonnaie nach dem Besuch beim Zahnarzt – zumindest für gesetzlich Versicherte.’ Versicherer überböten sich derzeit mit ‚ZahnersatzsparCards’ aller Art und Bezeichnung. „Der Spar-Markt ist ein eigenständiger, rein von wirtschaftlichen Interessen geprägter Verkaufsmarkt, neue Firmen entstehen nicht, weil jemand etwas zu verschenken hat, sondern Gewinn machen will. Wir können jeden Patienten nur dringend dazu ermuntern, sich wirklich kritisch und prüfend diese angeblichen Spar-Angebote anzusehen. Und etwas Ungewöhnliches zu tun, was vielfach bei der Sparwerbung und auch in manchen Medienberichten leider unterging: Fragen Sie doch zuerst einmal Ihren eigenen Zahnarzt“, rät Dr. Schmiedel.

5 Fragen und Antworten zum Thema Zahnersatz, McZahn & Co:

1. Wie kann man am meisten Geld sparen bei Zahnersatz?

Dr. Schmiedel: Auf dem besten und gesündesten aller Wege: Zahnersatz verhindern. Es ist schade, dass bei den ganzen Spar-Tipps dieser Hinweis meistens untergeht, denn mit Prävention und Vorsorge gewinnt nicht nur das Sparbuch, sondern auch die Gesundheit und vor allem das Wohlbefinden. Wir haben heute eine große Vielfalt von Möglichkeiten, die eigenen Zähne zu erhalten und Zahnersatz zu verhindern bzw. den Umfang notwendigen Zahnersatzes klein zu halten. Das kostet täglich ein paar Minuten Zeit und jährlich zwei oder drei Termine bei der Prophylaxeassistentin. Seine Zähne selber zu pflegen ist allemal besser als jede Reparatur und jeder Zahnersatz auch China oder sonst woher. Die Mundgesundheit unserer Patienten zeigt: Die eigenen Zähne halten immer länger. Es funktioniert also.

2. Was unterscheidet Billiganbieter und Filialisten von der Praxis des Hauszahnarztes?

Dr. Schmiedel: Vergleichsweise wenig, was die Kosten für die Versorgung betrifft. Hinter den Werbesprüchen der Billiganbieter gibt es immer auch das Kleingedruckte, das manche erst lesen, wenn sie schon hinter der Eingangstür sind. Beim genauen Lesen erfährt man oft, dass die Voraussetzungen für den zuzahlungsfreien Zahnersatz im Prinzip dieselben sind wie beim eigenen Zahnarzt auch. Es hat ja niemand etwas zu verschenken. Günstiger kann das Werkstück, der Zahnersatz selbst sein, denn wenn er in Niedrigpreisländern hergestellt wird, ist der Lohnanteil am Zahnersatz natürlich niedriger als hierzulande. Und natürlich sind edelmetallfreie Brücken und Kronen billiger als solche auf der Basis von bioverträglichen Werkstoffen wie Gold, Titan, Keramik. Aber ich möchte wiederholen: Keiner bekommt etwas geschenkt. Der Goldmarktpreis beispielsweise ist global, eine Unze kostet die Chinesen nicht weniger als ihre Zahntechniker-Kollegen in Berlin-Charlottenburg.

3. Warum ist Zahnersatz aus China für manche interessant?

Dr. Schmiedel: Interessant ist er nur für Patienten, die ausschließlich auf das Geld schauen. Wir wollen deshalb auch gar nicht auf importierten Zahnersatz schimpfen, denn es muss auch für Menschen mit wenig finanziellen Möglichkeiten eine Versorgung geben, die sie essen, sprechen und lachen lässt. Deshalb arbeiten auch viele meiner Kollegen mit Dentallaboren im Ausland zusammen und nutzen die niedrigen Lohnkosten, um ihren Patienten möglichst preisgünstige Lösungen anbieten zu können. Außer dem Aspekt „niedrige Lohnkosten“ spricht aber nichts für einen Import. Zu bedenken ist auch, dass wir einen weltweit anerkannten hohen Qualitäts- und Leistungsstandard in den deutschen Laboren haben und mancher international berühmte Star-Referent bei Kongressen deshalb mit deutschen Laboren arbeitet. Das ist ein Wert für sich damit auch für unser Land, es ist aber auch eine Branche, die nur Arbeitsplätze und Qualität liefern kann wenn diese auch nachgefragt wird. Deutsche Labore sind „um die Ecke“ und können rasch zu Rate gezogen werden, wenn etwas individualisiert werden muss, denn Zähne und Mund sind ja bei jedem Menschen einzigartig. Wenn Zahnarzt und Patient sich entschieden haben, können unsere Partner in den Dentallaboren in Deutschland alles nach Bedarf liefern – Zahnersatz aus dem Computer ebenso wie individualisierte Meisterkunst.

4. Ist die Versorgung bei Filialisten schlechter?

Dr. Schmiedel: Um das zu beantworten, müssen wir erst einmal klären, was unter „schlechter“ zu verstehen ist. In mancher dieser Ketten sitzen fertig ausgebildete Zahnärzte, die ihr Fach gelernt haben. Sie müssen für die Übernahme einer Filiale Lizenzgelder bezahlen. Und sie arbeiten mit vorgegebenen Produkten, die (hoffentlich) in Deutschland zugelassen sind. Und mit Dentallaboren im Ausland, die durchaus wissen, wie eine Brücke über drei Zähne aussehen sollte. Was ich als „schlechter“ dabei sehe, ist, dass hier Knebelungen bestehen. Der Zahnarzt in einer Filialkette kann nicht anbieten, was er für richtig hält, sondern muss das liefern, was der Filialist verlangt. Mit den Produkten, die der Filialist bestimmt. Bei McDonalds kann der Filialleiter auch nicht eigene Kreationen entwickeln, sondern muss liefern, was die Filialleitung vorgibt. Das halten wir im Gesundheitsbereich für eine absolut nicht wünschenswerte Entwicklung, denn mehr denn je erleben und lernen wir ja gerade, dass Menschen unvergleichbar sind.
Sogar bei Schmerzmedikamenten wird jetzt zwischen solchen für mehr Wirksamkeit bei Männern und Frauen unterschieden. Wir haben in der Zahnheilkunde eine große Vielfalt in der Versorgung erreicht, die einer großen Vielfalt unter unseren Patienten entgegenkommt – insofern können wir es nicht für gut befinden, wenn diese Vielfalt in Filialpraxen wieder zerstört wird.

5. Sind Filialisten wie McZahn eine Bedrohung?

Dr. Schmiedel: Das kommt natürlich darauf an, wie informiert und kritisch die Patienten sind. Dieselbe kritische Grundhaltung, die manche bei einem Beratungsgespräch mit ihrem Zahnarzt an den Tag legen, sollten sie auch den Ketten-Anbietern entgegenbringen. Es gibt keinen Grund, hier automatisch mehr Vertrauen entgegenzubringen. Es muss Gründe haben, warum so viele Neueröffnungen über Deutschland schwemmen: Offenbar sind solche Ketten, die oft fachfremde Investoren starten, ein gutes Geschäft, fragt sich allerdings nur, für wen. Meine Empfehlung an alle Patienten lautet, in Abwandlung des Slogans der Apotheker: Fragen Sie zuerst Ihren Zahnarzt und sein Praxisteam!